Projektwerkstatt

Ö-PUNKTE 3/2001 ("HERBST")

Rubrik "Energiewende": Die Sonne hat an Kraft nicht verloren

Langfassungen und weitergehenden Internetadressen zu den Texten der Ö-Punkte 3/2001.

Die Sonne hat an Kraft nicht verloren, aber was ist aus dem Push des 100.000 Dächerprogramms geworden? Können wir inzwischen Solarpaneele in jedem Baumarkt zu Nut- und Federholz Preisen kaufen?

Das 100.000-Dächerprogramm hat tatsächlich viele 1000 Dächer zu Stromkraftwerken werden lassen. Doch ist dies der richtige Weg, um die Sonne möglichst schnell und flächendeckend ?strombar? zu machen? Die Erwartungen auf eine schnelle Energiewende, aufgrund vermuteter Preisstürze bei Photovoltaikzellen durch Massenanfertigung, wurden in jedem Fall heftig enttäuscht.

Am 1.1.1999 wurde das Förderprogramm zur Abfederung der hohen Investitionskosten beim Neubau von PV- Anlagen ins Leben gerufen. Alle Photovoltaikprojekte sollten zukünftig, z.B. durch zinsgünstige Kredite unterstützt werden. Und tatsächlich. Diese Maßnahme beflügelte viele, die sich mit dem Bau von PV- Anlagen beschäftigten. Als dann noch eine Mindestvergütung pro kWh Solarstrom per Gesetz garantiert wurde, war das Glück Perfekt. Wie aus dem Nichts war es nun möglich das Gold der Sonne zu fördern.
Aber der Traum hielt nur einige, sonnige Tage an. Die wenigen HerstellerInnen für Solarzellen merkten schnell, dass sie viel weniger Ware im Lager hatten, als Bestellungen eingingen. Die Nachfrage nach stromspendenden Zellen war sozusagen höher als das Angebot. Na, klingelt es?
Eilig wurden die Solarzellen verteuert und die Preise tasteten sich weiter in Richtung Schmerzgrenze. Unterdessen haben sich auch die Fördergelder reguliert. Allerdings nach unten. Zu viele wollten von der günstigen Finanzierung profitierten. Umstände, die dazu führten, dass sich ebenfalls die Bauvorhaben regulierten. Projekte wurden wieder verworfen.
Alles in allem reguliert der Markt vor sich hin, die Stromkonzerne haben keine Angst mehr, dass sie ihr Geld einer Flut von AnlagenbetreiberInnen in den Rachen werfen müssen und die RotGrüne Regierung hat einmal mehr, alles menschenmögliche für eine atomfreie und umweltfreundliche Zukunft getan.

Aus der Perspektive eines Unternehmens mag es legitim sein, sich nach Jahren der Dürre, die Höcker mal wieder richtig Voll laufen zulassen. Und klar ist auch, dass neue Technologien, Produktverbesserungen und Produktionsanlagen Geld kosten. Es ist ebenfalls nachzuvollziehen, dass Fördertöpfe, die nur noch am Boden bedeckt sind und nicht ausreichend nachgefüllt werden, die Kellen nicht mehr voll machen. Und von Leuten, die es nicht einmal schaffen den NOTAUS- Schalter bei den Atommeilern zu drücken, ist sowieso Nichts zu erwarten.

Aber was bitteschön, bringt dann das ganze Getue von sonniger Zukunft, wenn die vorherrschenden Marktmechanismen eine verantwortungsbewusste Energiewende schon im Ansatz ersticken?
Die Sonne hat an Kraft nicht verloren und so wird es bleiben. Ob wir jedoch diese Kraft schon bald in einem nennenswerten, geschweige denn im vollen Maße nutzen werden, bleibt mehr als offen. Heute, so scheint es, ist das Netzwerk aus Kapital und Macht gesund und munter wie je zuvor.

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